Allergien – Symbolik und Be-Deutung einer Volkskrankheit, Teil 1

Sie reichen von der zunehmenden Umweltverschmutzung über ungesunde Ernährung, Medikamentenabusus und ungeprüftem Einsatz von Chemikalien bis hin zu dem Verdacht, die Immunsysteme heutiger Menschen seien generell dem Stress des modernen Lebens nicht mehr gewachsen und die Grenzen der Belastbarkeit bei weitem  überschritten. So hat eine schulmedizinische Studie ergeben dass Kinder, die in den ersten beiden Lebensjahren eine einzige Antibiotika-Behandlung bekommen haben, ein um mehr als 50 % erhöhtes Allergierisiko davon tragen. Leider wurde nach diesem spektakulären Ergebnis nicht weitergeforscht, denn es wäre ja hochinteressant zu erfahren, wie sich Antibiotikagaben in späteren Jahren auswirken. Der Verdacht liegt nahe, dass sie auch dann die Wahrscheinlichkeit auf nachfolgende allergische Reaktionen erhöhen.

Keine Zeit für Infekte
Wie ist solch ein erschreckendes Ergebnis zu erklären? Im Rahmen der „Archetypischen Medizin“, die sich mit der Be-Deutung und Symbolik der Krankheitsbilder beschäftigt, fällt eine Erklärung leicht.
Demnach sind Infektionen in den Körper verschobene Konflikte. Das Abwehrsystem kämpft gegen eingedrungene Erreger. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Menschen, die sich mit dem Leben aktiv und offensiv auseinandersetzen, ja sich vom Leben und seinen Herausforderungen erregen lassen, die sich Auseinandersetzungen mutig stellen und die heißen Eisen in ihrem Leben anpacken, abwehrstärker sind als solche, die sich den Herausforderungen verweigern und sich eher aus Angst verkriechen. Wer sich also nicht mehr vom Leben erregen lässt, sondern sich verschließt, öffnet sich stattdessen umso leichter den überall vorhandenen Erregern. So zeigt die tägliche Erfahrung, dass es immer die gleichen engagierten Menschen sind, die ihr Leben meistern und darauf brennen, es selbst zu gestalten und daher keine Zeit für grippale Infekte haben, während es andererseits immer dieselben sind, die keine Grippewelle auslassen. Menschen, die sich dem Leben verweigern, sind also im medizinischen Sinn eher abwehrschwach. Sie müssen die Kämpfe und Auseinandersetzungen, die sie mit ihrer Umwelt vermeiden, im Körper austragen, der sozusagen zum stellvertretenden Schlachtfeld wird. Insofern wird der Körper zu einer Bühne für jene Inhalte, die auf der Bewusstseinsebene nicht stattfinden.

Ungelöste Konflikte als Auslöser der Allergie
Aber wer schon im Bewusstsein unwillig war, sich einer Herausforderung zu stellen, wird auf der Körperebene auch nicht mehr Lust dazu haben. Er sucht sich folglich schulmedizinische Hilfe. Mit Antibiotikagaben versuchen dann Schulmediziner die Darstellung des Konfliktes im Körper verhindern, blockieren damit aber unabsichtlich eine weitere Ausdrucksmöglichkeit der Betroffenen. Das führt leider nicht dazu, dass die Seele aufgibt und das Thema verlässt, sondern sie sucht offenbar neue Ausdrucksmöglichkeiten. Einiges spricht dafür, dass die Thematik durch solche Blockadetechniken auch nichts von ihrer Brisanz verliert, sondern im Gegenteil noch schärfer und bedrohlicher ihr Recht auf Ausdruck und Beachtung durchsetzt. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass Verdrängtes weiter drängt und unterdrückte Infektionen spätere Allergien begünstigen. Diese Verschiebung ist durchaus nicht beliebig, denn sowohl hinter Infektionen als auch Allergien steckt das Thema Aggression. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Entzündungen um Konflikte zwischen Angreifern in Gestalt der Erreger und Abwehrmaßnahmen des Immunsystems. Der Unterschied zu den Allergien ist prinzipiell gering. Lediglich die Erreger sind hier durch Allergene ersetzt. In beiden Situationen wird aber auf Biegen und Brechen gekämpft. Dass es sich bei der Verschiebung von den Infektion zur Allergie um eine Eskalation handelt, mag daran deutlich werden, dass die Erreger immerhin potentiell gefährlich sein können. Die Allergene dagegen sind in der Regel harmlose Stoffe, meist auch noch natürlichen Ursprungs. Blütenpollen, die im Rahmen des Heuschnupfens in jedem Frühling von Millionen Menschen – im wahrsten Sinne des Wortes – bis aufs Blut bekämpft werden, sind im Prinzip gesund, weshalb sie sich auch in der Gesundheitsszene großer Beliebtheit erfreuen. Bei den Pollen ist es lediglich ihre symbolische Bedeutung, nämlich den nicht ausgetragenen verdrängten Konflikt, der zwar unbewusst aber deshalb nicht weniger vehement bekämpft wird. Die nächste Eskalationsstufe ungelebter Aggression wäre die Bekämpfung körpereigenen Gewebes aufgrund seiner Symbolik. Diese Ebene ist bei den Autoaggressionskrankheiten wie etwa Rheuma, aber auch Multipler Sklerose erreicht.

Allergie als Symbol
Wie viel schwerwiegender die Situation bei den Allergien im Vergleich zu den Infektionen ist, zeigt sich nicht nur an deren grundsätzlich chronischer Natur, sondern auch an Dingen wie fehlender Inkubationszeit. Bei Bakterieninfektionen muss das körpereigene Abwehrsystem zuerst einmal bei den Bakterien Maß nehmen, um davon ausgehend seine, wie gezielte Lenkwaffen funktionierenden Antikörper produzieren zu können. Die Zeitspanne vom ersten Kontakt bis zum Gegenangriff dieser Lenkwaffen nennt man Inkubationszeit. Da diese bei Allergien entfällt und die Reaktion sofort einsetzt, kann man davon ausgehen, dass der allergische Organismus in jedem Moment schon immer gerüstet ist, d.h. seine Waffenschmieden im Knochenmark sind immer aktiv, seine Waffenkammern immer gefüllt. Wer aber ständig rüstet und der Welt waffenstarrend begegnet, ist offenbar aggressiver als jemand, der sich immer erst auf etwaige Angriffe einstellen muss. Es spricht also alles dafür, dass der Schritt von der Infektion zur Allergie eine Eskalation ist, die wir besser vermeiden sollten. Tatsächlich tun wir heute genau das Gegenteil. In den letzten 25 Jahren meines Arztseins haben Allergien in atemberaubender Geschwindigkeit zugenommen. Zur Zeit meines Examens war jeder 10. Bundesbürger Allergiker, heute ist es schon jeder dritte mit weiter steigender Tendenz. Nach diesem Ansatz, der mit „Krankheit als Weg“ begann und bis zu „Krankheit als Symbol“ führte, ist jedes Krankheitsbild, das sich auf körperlicher Ebene ausdrückt, psychosomatisch, denn wo eine Form und Gestalt ist, lässt sich auch ein dazugehöriger Inhalt finden. Man müsste ihn nur suchen.