Allergien – Symbolik und Be-Deutung einer Volkskrankheit, Teil 3

Wir ernten aber gerade deswegen soviel Gewalt und Brutalität, weil wir die positiven Seiten dieses Archetyps nicht mehr erkennen, wie zum Beispiel Mut und Entschlossenheit, Kraft und Energie, Entscheidungsfähigkeit und Wille. Auch Durchsetzungsfähigkeit und Dynamik gehören hierher und zeigen uns, wie sehr gerade solche Eigenschaften heute im modernen Leben fehlen. Wenn wir eine Hierarchie unter den verschiedenen Eingriffsmöglichkeiten bei den verschiedensten Krankheitsbildern finden wollen, können uns die Erfahrungen der alten Medizinsysteme des Ostens weiterhelfen. So wurde in China der Arzt vor allem dann honoriert, wenn die Menschen gesund waren, weil er Bedrohungen ihrer Gesundheit schon im Vorfeld aufgefangen hat. Gesunde Ernährung stand hier in der Wertung deutlich über der Kräutermedizin, darüber aber rangierte noch die typgerechte Ernährung, die sich der jeweilige Mensch selbst suchen musste. Über solch konkreten Maßnahmen stand jedoch die Sorge um das Gesundheitsverhalten. Von diesem wiederum wusste man, dass es aus der Welt der Emotionen und Gefühle gespeist wurde, und darum diese Seelenwelt sehr hoch eingestuft wurde – direkt unter der Ebene des Bewusstseins. Auch die indisch-ayurvedische Medizin hatte, ähnlich der chinesischen, einen philosophischen Hintergrund, der sich über Jahrtausende bewährt hat. Im Gegensatz dazu hat sich die Halbwertszeit des Wissens der modernen westlichen Medizin auf fünf Jahre reduziert. Wer das System der alten Kulturen übernimmt und Ärzte wieder für Erfolg statt für Misserfolg honoriert werden, wird sofort merken, dass die Ernährungsberaterin über dem Chirurgen und der Tai Chi- Lehrer über dem Internisten steht. Darüber aber stünde die Psychotherapie und schließlich ganz oben die auf das Bewusstsein wirkende Meditation.

Lösungsversuche der Schulmedizin
Doch die medizinische Wirklichkeit sieht anders aus, wie wir an den Erfahrungen mit der schulmedizinischen Desensibilisierung sehen können. Zwar kann man damit im ersten Jahr danach die Symptome oft zum Verschwinden bringen, jedoch ist es meist nur eine Zeitfrage bis sie nun von anderen aber symbolisch ähnlichen Allergenen wieder ins Spiel gebracht werden. Dieses Verfahren haben Schulmediziner selbst als Symptomverschiebung entlarvt. Dahinter steckt, dass die Ursache, nämlich die Aggressionsproblematik immer an die Oberfläche des Bewusstseins drängen muss, solange sie ungelöst bleibt. Eine andere Strategie wäre die der Vermeidung aller Allergene. Dem sind jedoch Grenzen gesetzt, denn es gibt heute schon Allergiker, die gegen alle Nahrungsmittel bis auf ein oder zwei Ausnahmen allergisch reagieren. Die große Mehrheit der Gesellschaft favorisiert jedoch die Vermeidungsstrategie. Dies können wir vor allem im Frühling erleben, wenn direkt auf die Nachrichten der Wettervorhersage mit dem Pollenflugbericht für Allergiker, wie eine Kriegsberichterstattung folgt. Weidenpollenflug im Raum München Nord soll dann den dort lebenden Allergikern offenbar suggerieren, dass sie lieber zuhause bleiben oder gleich die Schutzräume aufsuchen sollen. Tatsächlich hatte die Schulmedizin in ihrer Hilflosigkeit gegenüber den Allergien vor Jahrzehnten allergenfreie Kammern befürwortet, eine Art vollklimatisierten Sarg, aus dem alles Lebendige und damit Gefährliche herausgehalten werden sollte.

Schulmedizin: Unterdrücken statt heilen
Die „erfolgreichste“ Methode der Schulmedizin ist die Unterdrückung der allergischen Symptome mit Mitteln wie den Antihistaminika oder Kortison. Das funktioniert natürlich, aber mit den Symptomen werden so auch viele andere Ausdrucksformen des Lebens unterdrückt. Antihistaminika machen nicht umsonst müde, Kortison führt auf Dauer zu schweren Nebenwirkungen. Hinzu kommt noch, dass die im Symptom gebundene Energie den Betroffenen auf diese Weise vorenthalten bleibt. So wird klar, warum so viele schulmedizinische Behandlungsformen der Unterdrückung die Lebensenergie herabsetzen und dem eigentlichen Ziel, vor Lebendigkeit sprühender Gesundheit, entgegenstehen. Der einzige Vorteil dieser Behandlung für den Patienten liegt darin, dass er sein Leben nicht verändern muss, keinerlei Eigenverantwortung zu entwickeln hat und genauso weitermachen kann wie bisher.

Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild als Weg
Wer dagegen den kurzfristig mühevolleren Weg der Bewusstwerdung im Sinne von „Aggression als Chance“ auf sich nimmt, wird langfristig ebenfalls seine Symptome loslassen können. Dazu wird er aber keine Energie im Sinne der Unterdrückung verbrauchen, sondern im Gegenteil noch die bisher in den Symptomen gebundene Energie befreien. Ganz abgesehen davon, dass sein Leben offensiver, mutiger und damit noch energievoller und erfolgreicher werden wird. Wer lernt, sich selbst seiner Haut zu wehren, anstatt dieselbe im Sinne von Neurodermitis ausschlagen zu lassen, wird offensichtlich langfristig mehr vom Leben haben, als jener, der die Neurodermitis mit Hilfe von Kortisonsalben von der Haut verbannt, um dieselbe Aggressionsenergie später in Form von Asthma, jenem anderen allergischen Krankheitsbild, in den Lungen zu ernten. Der Weg von unserem ersten Kommunikationsorgan Haut zum zweiten, der Lunge, ist ein häufig gewählter, wie alle Kinderärzte wissen, die erleben mussten, wie unterdrückter Milchschorf zur Lungenmanifestation tendiert. Aber auch Homöopathen kennen das Phänomen, dass bei der Behandlung des Asthma oft wieder Hauterscheinungen als Zwischenstadien auftreten. Der Weg der Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild und den dahinterliegenden Prinzipien, ist sicher kurzfristig ungleich unbequemer als der schulmedizinische Weg der Unterdrückung. Mittel- und langfristig ist er aber ungleich gesünder und heilsamer. Er wird das Leben im wahrsten Sinne des Wortes bereichern, da er Fehlendes integriert und über Eigenverantwortung zur Autonomie führt.

Literatur zum Thema:
Krankheit als Weg
Krankheit als Symbol (Bertelsmann)
Aggression als Chance(Bertelsmann)
CD „Allergie“ (Goldmann Arkana-Audio)
Info zur Arbeit von Ruediger Dahlke: www.dahlke.at