Die Mär vom bösen Salz

These wissenschaftlich nicht belegt
Salzarme Ernährung soll Bluthochdruck und Schlaganfälle verringern und die Gefahr des Herztodes verhindern - das ist die immer noch gängige, weit verbreitete Meinung. Die Zweifel an dieser kühnen Behauptung sind in den letzen Jahren unter Fachleuten jedoch stark gewachsen.
Bereits 2009 hat das unabhängige "Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen" (IQWiG) die Daten von sieben als hochwertig eingestuften Übersichtsarbeiten ausgewertet, in denen insgesamt 62 randomisierte und kontrollierte Studien zusammengefasst wurden.
Das Ergebnis: Die Einschränkung des Salzkonsums senkt den Blutdruck minimal. "Ein Nutzen oder ein Schaden einer kochsalzreduzierten Ernährung bei Patienten mit Bluthochdruck ist auf Basis randomisierter kontrollierter Studien bislang nicht Belegt" so Dr. Andreas Waltering im IQWiG.


Dies bestätigt auch das Ergebnis der sogenannten "Cochrane-Studie". Die "Cochrane Collaboration" ist eine weltweit tätige gemeinnützige Organisation von Ärzten und Wissenschaftlern, die nach strengen Regeln der evidenzbasierten Medizin, systematische Übersichtsarbeiten zur Bewertung von medizinischen Therapien erstellen. Für die "Cochrane Collaboration" hat der Internist und Rheumatologe Dr. Nils Albert Graudal mit seinen Mitarbeitern an den Universitätskrankenhäusern in Kopenhagen und Bispebjerg die Ergebnisse von 167 wissenschaftlichen Studien mit insgesamt 2.747 Teilnehmern zur Thematik "Salz und Bluthochdruck" ausgewertet.

Zu wenig Salz - Stresshormone steigen
Auch hier kamen die Experten zu dem Ergebnis, das die Beschränkung beim Salzkonsum eine minimale Senkung des Blutdrucks bewirkt. So sinkt der obere (systolische) Blutdruckwert im Durchschnitt nur um 1,27 mmHg, der untere (diastolische) Wert geht lediglich um 0,05 mmHg zurück.
Diese äußert geringe Verringerung des Blutdrucks wird jedoch teuer erkauft: die Studien belegen, dass unter salzarmer Ernährung die Stresshormone Renin, Aldosteron, Adrenalin und Noradrenalin signifikant ansteigen.

Höhere Gefahr bei salzarmer Ernährung
Eine Metaanalyse von sechs großen Studien, die im Fachblatt "Heart" veröffentlicht wurde, belegt sogar die Gefahr von salzarmer Ernährung. Die Teilnehmer der Studien die an Herzproblemen litten, wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe nahm normale Salzmengen zu sich, während die andere Gruppe den Salzkonsum stark reduzierte. Untersucht wurde nun die Gesamtsterblichkeit, das Auftreten eines plötzlichen Herztodes und die Einweisung in eine Klinik mit der Diagnose Herzversagen.
Vom Ergebnis waren selbst die Experten verblüfft: Die Gesamtsterblichkeitsrate lag in der sich salzarm ernährenden Gruppe um 95 Prozent höher als bei den Herzpatienten mit Normalkost. Das Risiko des plötzlichen Herztodes war unter Salzreduktion um 72 Prozent und das eines Todes durch Herzversagen um 123 Prozent erhöht. Patienten mit reduziertem Salzkonsum mussten 110 Prozent häufiger in ein Krankenhaus eingewiesen werden als normal salzende Personen.