Gift aus dem Wasserhahn

Besonders betroffen sind die Regionen im Norden und Osten Deutschlands. Laut einer nicht repräsentativen Auswertung der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2010 wiesen die Regionen um Kiel, Hamburg, Bremen, Schwerin, Berlin, Potsdam, Magdeburg und Leipzig überdurchschnittlich häufig eine erhöhte Bleikonzentration im Wasser auf.

Wie viel Blei ist erlaubt?

Bis 2003 waren 40 Mikrogramm Blei je Liter zugelassen. Seit Dezember 2003 sind es nur noch 25 Mikrogramm. Nun handelt die Politik: ab 1. Dezember 2013 wurde ein Höchstwert von 10 Mikrogramm Blei pro Liter gesetzlich festgelegt. “Dieser neue Grenzwert kann mit Bleirohren nicht eingehalten werden” sagt Thomas Rapp, Trinkwasserexperte beim Bundesumweltamt. Heißt im Klartext, die Rohre müssen ausgetauscht werden. Alternativen wie das Auskleiden der Rohre mit Expoxid-Harz oder Wasserfilter hält der Experte für ungeeignet. “Löst sich die Beschichtung nur an der kleinsten Stelle, ist das ganze Verfahren umsonst. Reinigt man die Filter nicht regelmäßig, reichert sich Blei erst recht in einer hohen Konzentration an”.

Was bewirkt zu viel Blei im Trinkwasser?

“Blei ist ein Nervengift” sagt Alexander Eckhardt vom toxikologischen Bundesumweltamt in Bad Elster. “Ein zu hoher Bleigehalt im Blut kann zu Verhaltensstörungen, Hyperaktivität, Beeinträchtigung der Intelligenz, der Aufmerksamkeit und der Feinmotorik führen”. Hier sind besonders Säuglinge, Kleinkinder und Schwangere betroffen. Sie sollten auf keinen Fall Wasser aus einer Bleileitung trinken oder damit zubereitete Nahrung zu sich nehmen. Die gesundheitsschädigende Wirkung des Schwermetalls ist schon lange bekannt. So sind zum Beispiel Bleirohre zum Transport von Trinkwasser in Süddeutschland seit 1878 verboten. In Nord- und Ostdeutschland hingegen wurden noch bis Anfang der Siebzigerjahre Bleirohre verlegt.

Wie erkenne ich Bleirohre?

Mit einem Blick auf die Rohre im Keller an der Wasseruhr kann selbst der Laie schnell erkennen, ob es sich um Bleirohre handelt: Die silbergrauen Leitungen sind relativ weich und lassen sich mit einem Messer leicht einritzen. Sie klingen dumpf und nicht metallisch, wenn man dagegen klopft. Sie werden in einem Stück gelegt und können um die Ecken gebogen werden. Die Rohrenden sind ineinander geschoben und an dieser Stelle wulstig aufgeschoben.

Was ist zu tun?

Zunächst sollte der Mieter den Hausbesitzer auffordern, nachzuweisen, dass das Trinkwasser unbedenklich ist. Kommt dieser der Aufforderung innerhalb einer Frist von zwei Wochen nicht nach, kann der Mieter selber eine Analyse in Auftrag geben. Eine einfache Bleianalyse kostet zirka 20 Euro und wird von den zuständigen Wasserwerken durchgeführt. Stellt sich heraus, dass der Bleigehalt im Trinkwasser zu hoch ist, wird der Eigentürmer zum Austausch der Rohre aufgefordert und kann notfalls verklagt werden. Der Austausch der Wasserrohre ist eine Instandsetzungsmaßnahme und keine Modernisierung, das heißt, die Kosten dürfen nicht auf den Mieter umgelegt werden.