Plastik aus dem Wasserhahn?

Professor Gerd Liebezeit von der Universität Oldenburg hat die winzig kleinen Kunststoff-Teilchen in Leitungswasser-Proben nachgewiesen: "Sie stammen aus sechs Gemeinden in Nord- und Süddeutschland. 20 weitere Proben aus ganz Deutschland werden zur Zeit noch ausgewertet".

Schon in früheren Untersuchungen hat Professor Liebezeit Plastikteile in Muscheln, Fischen, Fischen, Softdrinks und Milch aus deutschen Supermärkten nachgewiesen.

Die festgestellten Mengen waren zwar sehr gering, aber wie ist es überhaupt möglich, dass Plastik in unsere Nahrungsmittel gelangt?

"Der Fachbegriff für diese Kunststoffteilchen ist Mikroplastik. Dies sind kleine Fasern, Fragmente oder Kügelchen, die kleiner als fünf Millimeter groß sind. Mit bloßem Auge sind sie schwer bis gar nicht zu erkennen", erklärt Professor Liebezeit. Ein Großteil stammt aus Kosmetik- und Hygieneprodukten bekannter Hersteller. Das als "Mikroperlen" oder "hautglättende Peeling-Partikel" in Gesichtsreinigern, Duschgelen oder Zahnpasta deklarierte Plastik gelangt beim Duschen oder Zähneputzen über die Kanalisation in das Abwasser. "Mikroplastik ist in der Zwischenzeit überall zu finden: im Meer, an den Sandstränden, im Regenwasser" meint Professor Liebezeit.

 

Doch die Mikroplastikplage in unserem Trinkwasser ist nur ein Teil eines sehr viel größeren Problems: Geschätzte 100 Millionen Tonnen von Plastikmüll treiben mittlerweile auf den Weltmeeren. Sonneneinstrahlung und Wellenschlag zerkleinern das Plastik zu Mikropartikeln und diese gelangen in die Luft oder in die Gewässer.

 

Was aber bedeutet dieses Plastik für unsere Gesundheit?

"Diese Polymere gelten an sich zwar als ungefährlich und dürfen laut Gesetz auch in Kosmetika enthalten sein, wirken im Wasser aber wie eine Art Taxi für Schadstoffe. Auf ihrem Weg ins Meer ziehen sie Umweltgifte wie ein Magnet an", sagt Nadja Ziebarth, Mikroplastik-Expertin beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND).

Doch Dr. Ingrid Chorus, Abteilungsleiterin Trinkwasserhygiene des Umweltbundesamtes gibt für unser Leitungswasser Entwarnung: "Es ist erforderlich, die Ergebnisse aus den Trinkwasser-Proben abzuklären und zu untersuchen, worum es sich genau bei den Funden handelt. Bei der geringen Konzentration ist aber nicht von einer Gesundheitsgefahr für den Menschen auszugehen. Das Leitungswasser kann weiter bedenkenlos verwendet werden."

Verbraucherschützer fordern dennoch ein Verbot von Plastikteilchen in Kosmetika.

 

Tipp: Wenn Sie feststellen wollen, ob ein von Ihnen verwendetes Produkt Mikroplastikteilchen enthält, hilft Ihnen die kosten lose App "Beat the Micro Bead" (Android, und iStore) weiter. Sie können über den EAN-Strichcode das Produkt einscannen und erhalten umgehend die Information, ob das Produkt Plastikpartikel enthält.

 

Update:

In der Donau schwimmen unterhalb von Wien mittlerweile mehr Plastikmüllteilchen als Jungfische. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt eine am 6. März 2014 veröffentlichte Studie von Gewässerforschern der Universität Wien. Sie fanden heraus, dass in den Uferbereichen der Donau zwischen Wien und der Hauptstadt der Slowakei, Bratislava, im Durchschnitt pro Liter Wasser 317 Plastikpartikel treiben, aber nur 275 Fischlarven. Die Donau transportiert den Schätzungen der Wissenschaftler zufolge mittlerweile 4,2 Tonnen Plastikmüll pro Tag in das Schwarze Meer.